TTS Textilrecycling
Textilrecycling bei TTS
Die Recyclinghierarchie als Leitfaden für die richtige Anwendung je Textilart
Die Recyclinghierarchie als Leitfaden für die richtige Anwendung je Textilart
Bei TTS betrachten wir retourniertes Textil nicht als Abfall, sondern als wertvollen Rohstoff. Gleichzeitig erkennen wir an, dass es beim Textilrecycling keine universelle Lösung gibt. Der technische Aufbau eines Textils bestimmt maßgeblich, welche Form der Wiederverwendung oder des Recyclings möglich ist. Deshalb arbeiten wir mit einer klaren Recyclinghierarchie, die uns dabei unterstützt, für jede Textilart den nachhaltigsten und realistischsten Weg zu wählen.
Warum die Unterscheidung zwischen beschichteten und unbeschichteten Textilien entscheidend ist
- Unbeschichtete Textilien (wie Flag und Display) bestehen überwiegend aus einem einzigen Material und eignen sich daher für die höchste und zirkulärste Stufe.
- Beschichtete Textilien (wie Blackback Soft und Heavy Tent) bestehen aus mehreren Materialkomponenten und erfordern alternative Anwendungen auf niedrigeren Stufen der Hierarchie.
Stufe 1 – Textil zu Textil
Hochwertige Zirkularität für unbeschichtete Textilien
Die höchste Stufe der Recyclinghierarchie ist das Textil-zu-Textil-Recycling. Dabei wird gebrauchtes Textil erneut zu Rohstoff für neue Textilien verarbeitet, sodass das Material vollständig innerhalb der Textilkette verbleibt. Dies ist die zirkulärste Anwendung, die möglich ist.
Diese Stufe eignet sich insbesondere für unbeschichtete Polyestertextilien wie Flag- und Displaytextilien. Diese Textilien bestehen überwiegend aus einem einzigen Material und bilden somit einen Monostoffstrom. Da das Material homogen ist und keine zusätzlichen Schichten enthält, kann es bis auf das Basismaterial zurückgeführt und anschließend zu neuen Fasern verarbeitet werden.
Für diese Form des Recyclings wird chemisches Recycling eingesetzt, bei dem das Polyester auf molekularer Ebene zerlegt, gereinigt und erneut polymerisiert wird. Das Ergebnis ist eine neue Faser, die wieder in der Textilproduktion eingesetzt werden kann.
Beschichtete Textilien sind derzeit für diesen Schritt im Recyclingprozess nicht geeignet. Durch die vorhandenen Beschichtungen bestehen diese Materialien aus mehreren Komponenten, was die Kosten dieser Recyclingform erheblich erhöht. Die Beschichtung muss zunächst aus dem Prozess entfernt werden, obwohl sie keinen zusätzlichen Wert liefert. Technisch ist dies zwar möglich, wirtschaftlich jedoch nicht rentabel. Aus diesem Grund akzeptieren chemische Recycler keine beschichteten Textilien.
Stufe 2 – Textil zu chemischen Bausteinen
Neue zirkuläre Route für komplexe und beschichtete Textilien
Eine vergleichsweise neue Entwicklung im Textilrecycling ist das thermochemische Recycling. Diese Methode ist für Textilströme vorgesehen, die nicht für Stufe 1 – Textil-zu-Textil-Recycling geeignet sind.
Dabei wird das Textil unter hohen Temperaturen und ohne Sauerstoff zu chemischen Bausteinen wie Synthesegas oder aromatischen Molekülen zerlegt. Diese Stoffe können anschließend als Rohstoff für neue Chemikalien oder Kunststoffe verwendet werden, darunter auch Rohstoffe für neue Polyesterprodukte.
Diese Stufe ist besonders relevant für beschichtete Textilien und gemischte Textilströme. Aufgrund ihres mehrschichtigen Aufbaus (Trägermaterial plus Beschichtungen, Additive oder Finishes) handelt es sich bei diesen Materialien nicht um Monostoffströme, wodurch das Recycling zu neuen Fasern erschwert wird. Das thermochemische Recycling bietet hier eine Alternative, bei der der fossile Kohlenstoff im Material erhalten bleibt und erneut in industriellen Kreisläufen genutzt wird.
Auch wenn das Material dabei nicht direkt wieder zu Textil wird, bleibt diese Anwendung höher in der Hierarchie angesiedelt als Lösungen, bei denen lediglich Form oder Volumen genutzt werden.
Stufe 3 – Textil zu Hardware
Nachhaltige Wiederverwendung für beschichtete Textilien
Wenn Textilien nicht für ein Textil-zu-Textil-Recycling geeignet sind, richtet sich der Fokus auf Anwendungen außerhalb der Textilkette — jedoch mit langer Lebensdauer. Dies ist die dritte Stufe: Textil zu Hardware.
Diese Route eignet sich besonders für beschichtete Textilien wie Blackback Soft und Heavy Tent. Diese Textilien bestehen aus einem tragenden Gewebe in Kombination mit einer oder mehreren Beschichtungen, die Eigenschaften wie Lichtundurchlässigkeit oder Wetterbeständigkeit ermöglichen. Durch diesen mehrschichtigen Aufbau handelt es sich nicht um Monostoffströme, was das Recycling zu neuen Fasern erschwert.
Gleichzeitig machen genau diese Eigenschaften das Material besonders geeignet für Hardware-Anwendungen. Durch mechanische Verarbeitung kann das Textil in formstabilen Produkten wie Platten, Pfosten oder anderen funktionalen Anwendungen mit langer Nutzungsdauer eingesetzt werden. Das Material verlässt zwar die Textilkette, behält jedoch seinen Wert in einer nachhaltigen neuen Funktion.
Stufe 4 – Textil zu Füllmaterial
Funktionale Wiederverwendung bei komplexen Stoffströmen
Wenn eine Verarbeitung zu Hardware nicht geeignet ist, bietet die vierte Stufe eine sinnvolle Alternative: Textil zu Füllmaterial. Dabei wird das Textil zerkleinert und als Füllmaterial wiederverwendet.
Auch diese Stufe gilt vor allem für beschichtete Textilien sowie komplexere oder gemischte Textilströme. Dazu zählen Materialien, bei denen verschiedene Eigenschaften oder Reststoffe eine Rolle spielen und höherwertige Anwendungen nicht sinnvoll sind.
Das zerkleinerte Textil wird in Anwendungen eingesetzt, bei denen Volumen und Dämpfung wichtig sind, wie beispielsweise in Kissen, Sport- und Trainingsmaterialien (zum Beispiel Boxsäcken) oder schützenden und dämmenden Produkten (wie Isoliermaterialien). Obwohl dies eine niedrigere Stufe als Hardware-Anwendungen ist, erhält das Material dennoch eine neue Funktion und geht nicht vorzeitig verloren.
Stufe 5 – Textil zu Energie
Letzte Option für nicht wiederverwendbare Textilien
Die unterste Stufe der Recyclinghierarchie ist die Verbrennung mit Energierückgewinnung. Dies ist die Anwendung, die wir bei TTS so lange wie möglich vermeiden möchten.
Diese Stufe kommt nur dann infrage, wenn Textilien — beschichtet oder unbeschichtet — aufgrund ihrer Zusammensetzung, Verschmutzung oder ihres Zustands nicht mehr für Wiederverwendung oder Recycling geeignet sind. In diesem Fall kann das Material noch zur Erzeugung von Wärme oder Strom genutzt werden.
Auch wenn dies keine zirkuläre Lösung darstellt und das Material dadurch endgültig aus dem Kreislauf verschwindet, wird es innerhalb dieser Stufe dennoch kontrolliert und funktional genutzt. Innerhalb unseres Ansatzes ist dies immer der letzte Schritt.